Kunst kennt keine Grenzen
Zürich | Lugano | Basel | Genève | Bern
29. März – 11. Juni 2017
big

Drei Produktionen

Im Rahmen von IntegrART werden drei Produktionen an den Partnerfestivals BewegGrund. Das Festival (Bern), ORME Festival (Lugano), Out of the Box - Biennale des Arts inclusifs (Genf) und wildwuchs (Basel) gezeigt. Für die Ausgabe 2017 wurden folgende Produktionen gewählt:

Michael Turinsky (A): heteronomous male / my body, your pleasure 
2. Juni 2017 Lugano ORME Festival
5.+6. Juni 2017 Basel wildwuchs
8. Juni 2017 Bern BewegGrund. Das Festival
10. Juni 2017 Genf Out of the Box - Biennale des Arts inclusifs (nur «my body, your pleasure»)
heteronomous male

Heteronom ist das Gegenteil von autonom, also von selbstbestimmt und frei. Mit Ernst und Ironie bearbeitet der seit Geburt körperbehinderte Tänzer und Choreograf Michael Turinsky in seinem Solo «heteronomous male» das Gebiet, in dem er sich als Mann und Tänzer mit einer Behinderung bewegt: Zwischen der Situation eines Kindes und dem Zustand eines erwachsenen Mannes, zwischen Hilflosigkeit und Eros, den Logiken eines Körpers mit Behinderung und den Gesetzen von Gesellschaft und Choreografie.

Choreografie, Tanz, Bühne, Text: Michael Turinsky Musik: Ben Frost Kostüm: Devi Saha Produktion: Elisabeth Drucker

my body, your pleasure

In seinem Gruppenstück «my body, your pleasure» überträgt Turinsky sein behinderungsspezifisches Bewegungsvokabular auf vier körperlich nicht behinderte Tänzer/-innen und erkundet mit ihnen das zwangsläufig wackelige Verhältnis zwischen meinem Körper und deiner Lust. Traditionelle Bindungen werden gelöst, und alles wird mit allem potenziell neu verbunden: Queer Rap, behinderte Körperlichkeit, Ghetto-Ästhetik … ein womöglich holpriger, aber umso subversiverer Remix, der nicht zuletzt den Sex-Appeal des Wackelns deterritorialisiert.

Konzept, Choreografische Leitung: Michael Turinsky Choreografie, Performance: Alja Ferjan, Leon Maric, Raphael Michon, Manaho Shimokawa, Michael Turinsky Bühne: Lena Winkler-Hermaden Kostüm: Hanna Hollmann Licht: Veronika Mayerböck

Michael Turinsky erhielt eine Ausbildung zum Magister der Philosophie an der Universität Wien. Er lebt und arbeitet als Theoretiker, Choreograph und Performer in Wien. Teil seines Bildungsweges im Tanzbereich war eine Reihe von international anerkannten Dozenten, u.a. Adam Benjamin, Fabiana Pastorini, Barbara Kraus, Corinna Mindt, Philipp Gehmacher, Keith Hennessy, Miguel Gutierrez. Als Performer war er u.a. tätig in Produktionen von Bert Gstettner, Legitimate Bodies/Robin Dingemans/Mick Bryson und Doris Uhlich. Seine Laufbahn als Choreograph startete er 2008. International getourt wurden «heteronomous male» (u.a. in Bulgarien, Genf, Wien, Berlin, Salzburg) und «my body, your pleasure» in Berlin und Mainz.

Unmute Dance Company (ZA): Ashed
1.+2. Juni 2017 Basel wildwuchs
3. Juni 2017 Lugano ORME Festival
7. Juni 2017 Bern BewegGrund. Das Festival
9. Juni 2017 Genf Out of the Box - Biennale des Arts inclusifs

Lebendige und leblose Körper, Live-Gesang und glänzend aufwirbelnde Asche. Mit «Ashed» ereignet sich ein visuelles, choreografisches und musikalisch-sinnliches Erlebnis auf der grossen Bühne. Wir erleben Gesangskonzert, Spoken Word Performance, Tanz-, Schatten- und Lichtspiel zugleich. In Vulkanasche erstarrte menschliche Figuren in Pompeji dienten als Inspiration für das Tanzstück, das die Grenzen zwischen leblosen und lebendigen Körpern erkundet. Die Unmute Dance Company setzt die versteinerten Figuren als sinnbildliche Metapher und zieht Parallelen zur sozialpolitischen Situation für ihre Gesellschaft Südafrikas. Wenn die Menschen in Pompeji in vulkanischer Asche gefangen waren, sind wir jetzt auch in unserer Vergangenheit gefangen? Trotz wirtschaftlichem Fortschritt steckt die Gesellschaft fest in ihrer politischen Geschichte. Was hat sich tatsächlich geändert nach 21 Jahren Unabhängigkeit und Demokratie? In «Ashed» stehen die menschlichen Statuen als Symbole und stellen Fragen nach Freiheit und Unabhängigkeit, nach Selbstermächtigung, und übertragen körperliche Grenzen auf politische Fragen. Wie lange stecken wir noch fest in unseren eigenen Grenzen, in selbst konstruierten Schubladen? «Ashed» befragt jegliche Ebenen, die unser Wachstum begrenzen: die politische, die soziale, die wirtschaftliche. Oder gibt es da doch den sinnbildlichen Phoenix, der uns erneuert, wenn wir uns aus der Asche erheben?

In Englisch und Xhosa, mit deutscher Übersetzung

Choreografie: Themba Mbuli Performer: Andile Vellem, Nadine Mckenzie, Yaseen Manuel, Zamukulungisa Sonjica Sängerin: Babalwa Makwethu Bildhauer: Enock Mpofu Kostüme: Shiba Sopotela Bühnenbild: Themba Mbuli Produktionsleitung: Thato Shuping Manager: Mpotseng Shuping 

Unmute ist aktuell die einzige bestehende inklusive Tanz-Gruppe in Südafrika, ansässig in Kapstadt, als Teil des Artscape Ressource Centre Incubator Programme. Als Wegbereiter für den inklusiven zeitgenössischen Tanz in Südafrika wurde die Unmute Dance Company zu den grössten Festivals in Südafrika eingeladen, wie dem National Arts Festival Grahamstown, Dance Umbrella Johannesburg sowie Infecting the City und Live Arts Festival Kapstadt. Die Gruppe arbeitet in Projekten in Schulen und Communities und engagiert sich in verschiedenen Outreach-Programmen mit Performances und Workshops, welche die Integration und Inklusion von Menschen mit Behinderung in der Gesellschaft vorantreiben.

DisAbility on Stage (CH)
1. Juni 2017 Lugano ORME Festival
7. Juni 2017 Genf Out of the Box - Biennale des Arts inclusifs
8.+9. Juni 2017 Basel wildwuchs
10. Juni 2017 Bern BewegGrund. Das Festival

Trailer

Bühnenlabor 1

Das Rechercheprojekt DisAbility on Stage ist die erste flächendeckende Auseinandersetzung mit der Theater- und Tanzpraxis von Regisseurinnen und Regisseuren, Choreografinnen und Choreografen sowie Performerinnen und Performern mit Behinderung in den verschiedenen Sprachregionen der Schweiz. Die Partnerschaft zwischen der Accademia Teatro Dimitri und dem Leiter von Teatro DanzAbile, Emanuel Rosenberg, ermöglichte es manchen Studierenden und einer Gruppe Schauspielerinnen und Schauspielern mit Behinderung an einem Theaterworkshop teilzunehmen, der praktische und theoretische Forschungsansätze vereint.

Künstlerische Leitung: Emanuel Rosenberg Performer/-innen: Felix Baumann, Sara Bocchini, Stefanie Bolzli, Angela Calia, Adriano Cangemi, Laura Coda Cantù, Elisa Di Cristofaro, Mirjami Heikkinen, Guglielmo Hug, Aida Illic, Miriam Kotlaris, Pierre Lepori, Joelle Petrini, Andres Santos, Morgan Wilson, Daniele Zanella Forschungsteam: Sara Bocchini, Sarah Marinucci, Dr. Demis Quadri 

Bühnenlabor 2

Die Performance bietet einen Einblick in ein Bühnenlabor mit Studierenden des Bachelor Contemporary Dance der Zürcher Hochschule der Künste sowie Performerinnen und Performern aus dem Umfeld der inklusiven Kompanien BewegGrund in Bern und Teatro DanzAbile im Tessin unter der künstlerischen Leitung des israelischen Choreografen Emanuel Gat. Das zweiwöchige Bühnenlabor im Februar 2017 ist eine von zwei modellhaften Zusammenarbeiten in Kontext des SNF-Forschungsprojektes DisAbility on Stage (2015-2018) am Institute for the Performing Arts and Film der Zürcher Hochschule der Künste. Dessen Ziel ist es, einen Diskurs um Behinderung an den Schweizer Kunsthochschulen und Universitäten zu initiieren und die daraus resultierenden Forschungserkenntnisse in der Praxis weiterzuentwickeln. Das spezifische Bewegungsrepertoire der Tänzerinnen und Tänzer trifft auf ein Interesse an der Musikalität des Tanzes in den Arbeiten Emanuel Gats, dessen Choreografien ein französischer Kritiker als «visual music, interpreted through the body» beschrieb.

Künstlerische Leitung: Emanuel Gat Coaching: Emanuel Rosenberg, Susanne Schneider Tänzer/-innen: Sophie Annen, Jay Ariës, Sophie Bertschy, Emmy Blein, Giorgia D'Amico, Alice D'Angelo, Giorgia Lolli, Gina Andrea Maag, Selene Martello, Viktorija Semakaité, Antonio Spatuzzi, Dario Theiler, Elisa Scarselli, Joelle Petrini, Miriam Kotlaris, Laura Coda Cantù, Giuseppe Comuniello, Sylvie Chen, Lua Leirner Forschungsteam: Sarah Marinucci, Dr. Yvonne Schmidt 

Das Bühnenlabor DisAbility on Stage versteht sich als ein Pilotprojekt, um die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen an der Tanz- und Theaterausbildung in der Schweiz zu fördern. Im Fokus stehen zwei modellhafte Zusammenarbeiten. Einerseits im Master Bewegungstheater an der Accademia Teatro Dimitri in Verscio zusammen mit der Tanzkompanie Teatro Danzabile im Tessin (Bühnenlabor 1) und andererseits im Bachelorstudiengang Contemporary Dance der Zürcher Hochschule der Künste in Kooperation mit BewegGrund in Bern und Danzabile im Tessin (Bühnenlabor 2). Das Ziel ist die gemeinsame Entwicklung von Knowhow an den Schnittstellen zwischen Ausbildungspraxis, der Theater- und Tanzszene von und mit Menschen mit einer Behinderung sowie praxisorientierter Forschung an der Kunsthochschule.