Programm

Dienstag, 21. September 2021, Gessnerallee Zürich 

Die Tagung findet hybrid (analog und digital) statt. Anmelden
 

Titel Uhrzeit Programm
Eintreffen 14.30 Eintreffen in der Gessnerallee Zürich

Begrüssung

15.00

Dr. Silvia Steiner, Präsidentin der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK)
Kerstin Klauser, Leitung Kultur, Direktion Kultur und Soziales, Migros-Genossenschafts-Bund
Isabella Spirig, Projektleiterin Tanz, Direktion Kultur und Soziales, Migros-Genossenschafts-Bund
Dr. Nina Mühlemann, Leiterin IntegrART-Tagung 2021

Lecture Performance

15.30

«Das Selbst und das Andere auf der Bühne»
Perel (US/DE)

Perels Arbeit hinterfragt Machtdynamiken um Gender und Consent und welchen Platz Behinderung in unserer Geschichte und in unserer kollektiven Erinnerung einnimmt. Welche Möglichkeiten des Zusammenseins ergeben sich, wenn diese dekonstruiert sind? Wie würden unterstützende Strukturen überhaupt aussehen?

Perel wird Beispiele aus ihrer Arbeit zeigen, in der bestehende Performancestrukturen und Machtdynamiken hinterfragt werden, zum Beispiel «More Than Just A Piece of Sky» (2014) – ein Stück, in dem Perel von einem leuchtenden Bett aus performt hat – sowie (do not) despair solo und Pain «Threshold» (2016 bis jetzt) – Stücke, in denen nichtbehinderte Personen aus dem Publikum eingeladen werden, für Perel Care-Arbeit auszuführen mit unterschiedlichen Graden an Erotik und Intimität – und die neueste Arbeit, «Life (Un)Worthy of Life» (2019 bis jetzt), in der Perel das Talkshow-Format dekonstruiert und das Publikum zu einer Diskussion über geschichtlichen Ableismus und Antisemitismus einlädt.

Pause 16.40  

Panel

17.10

«Welche Strukturen brauchen Künstler*innen mit Behinderungen für tatsächliche Inklusion?»

Perspektive Künstler*innen: Sophia Neises (DE), Alexandrina Hemsley (UK), Edwin Ramirez (CH), Diana Anselmo (IT), Perspektive Institutionen: Michelle Akanji & Inga Laas, Gessnerallee Zürich (CH)

Vier unterschiedlich behinderte Künstler*innen unterhalten sich darüber, wie sie in ihrer Arbeit neue Strukturen schaffen und wie sich diese mit den Bedingungen vereinbaren lassen, die kulturelle Institutionen, Förderung und Politik vorgeben – oder eben nicht. Was brauchen Künstler*innen mit Behinderungen tatsächlich für Inklusion, welche Arbeit muss dafür getan werden und von wem? Und wie können Arbeitsstrukturen kreiert werden, die Raum geben für intersektionale Erfahrungen? Welches Potenzial eröffnet sich, wenn andere Stimmen und Erfahrungen zentriert werden und wir uns von bestehenden Machstrukturen lösen?

Pause 18.30  

Performance

20.00

«Sketch of Togetherness»
Lea Moro (CH), Nina Mühlemann (CH)
Mit «Sketch of Togetherness» von Lea Moro wird eigens eine künstlerische Arbeit für die IntegrART-Tagung produziert, in Zusammenarbeit mit Nina Mühlemann. Ein*e Politiker*in und ein*e Künstler*in mit Behinderung verbringen zusammen einen Tag, begleitet von einer Kamera. Im Rahmen dieser Performance begegnen sie sich zweites Mal – nun vor Publikum.

 

Mittwoch, 22. September 2021, Gessnerallee Zürich

Titel Uhrzeit Progamm
Eintreffen 9.30  
Keynote 10.00

«Komplizierte Utopien»
Noa Winter (DE) und Alexandrina Hemsley (UK)

In ihrer IntegrART Keynote erarbeiten die Kurator*in und Aktivist*in Noa Winter und die Choreografin und Autorin Alexandrina Hemsley sich Wege durch die Hoffnung, die Liebe und die Wut, die damit verbunden sind, für etwas einzustehen. Beide werden teilen, warum sie Orte schaffen, die auf Care basieren, und warum sie fordern, dass Kulturinstitutionen Inklusion oder Solidarität  nicht nur performativ betreiben. Und sie werden davon berichten, was sie tief in ihren Körpern fühlen: Widerstand und Öffnung.

Es wird Poesie, Rants und Momente geben, die geprägt sind vom Eingeständnis, dass die Arbeit manchmal zu viel wird, wenn strukturelle Unterdrückung zu Erschöpfung führt, wenn ihre Herzen brechen und wenn die Arbeit als behinderte Person mit anderen intersektionalen Identitäten bedeutet, Realitäten auszuhalten, die von denjenigen mit mehr Macht geprägt sind.

Wie können wir sicherer existieren in Systemen, die nicht für behinderte Menschen gemacht sind?

Sind Kulturinstitutionen bereit zu verstehen, dass Care und Verantwortbarkeit genauso wichtig sind wie Repräsentation?

Pause 11.00  

Panel

11.20

«Kreative Perspektiven und politische Strukturen»

Künstler*innen (CH): Lulzim Plakoli, Edwin Ramirez, Lua Leirner und Politiker*innen: Isabel Garcia (GLP), Islam Alijaj (SP), Moderation: Alex Oberholzer

Politische Strukturen beeinflussen auf vielerlei Ebenen sowohl Inklusion und Kunst als auch die Bereiche, in denen die beiden Gebiete zusammentreffen. Wo sehen Künstler*innen mit Behinderungen politische Barrieren, die es schwierig machen, ihre Arbeit auszuüben? Wo könnten sich Politik und Kunst zusammenschliessen und gemeinsam ko-kreative Vorstösse wagen? In dieser Diskussionsrunde unterhalten sich Künstler*innen und Politiker*innen mit und ohne Behinderungen über politische Transformationen und die Möglichkeiten von inklusiver Kreativität.

Mittagessen 12.30  

Vortrag

14.00

Wie können behinderte Künstler*innen nicht nur überleben, sondern auch gedeihen in einem Fördersystem, das grundsätzlich ableistisch ist?

Jo Verrent (UK), Unlimited, Rebekka Fässler (Stadt Zürich Kultur)

Jo Verrent ist Senior Producer für Unlimited. Unlimited ist ein Kunstförderprogramm, das zum Ziel hat, die Arbeit von Künstler*innen mit Behinderungen im Vereinigten Königreich und in internationalen kulturellen Sektoren zu präsentieren, neues Publikum zu erreichen und die Wahrnehmung von  Menschen mit Behinderung zu verändern. In der Arbeit über alle Sparten, Grössen, Skalen und Publika hinaus will Unlimited aufzeigen, dass die Fähigkeiten und Talente von   Künstler*innen mit Behinderung tatsächlich grenzenlos sind und dass es keinen Teil des kulturellen Sektors gibt, von dem behinderte Künstler*innen ausgeschlossen werden sollten. Jo wird erklären, wie und warum Unlimited finanziert wird und wie Unlimited behinderte Künstler*innen fördert. Sie wird darlegen, warum radikale systematische Veränderungen durch die ganze Förderlandschaft die einzig nachhaltige Option für wahre Gleichstellung und Chancengleichheit sind. Förderung zu erhalten, basierend auf den ästhetischen Merkmalen von Kunst mit behinderten Menschen in Leitpositionen, statt der Nutzung des negativen Wohltätigkeits-Mitleids-Modells kann eine Herausforderung sein, ist aber die einzige Möglichkeit für eine grundlegende Veränderung. Bestehende Fördermodelle verstärken teilweise die missverständliche Haltung, dass Behinderung ein Defizit ist. Wie kann diese Haltung verändert werden?

Nach dem Input von Jo Verrent wird es ein Gespräch geben zwischen ihr und Rebekka Fässler.

Pause 14.45  

Workshops

15.00

Vier Workshops laden die Tagungsteilnehmenden ein, das Tagungsthema
«Strukturen neu denken» aktiv zu erproben

Workshop 1: Tanja Erhart / Katharina Senk (AT): «Sinne und Sinnlichkeiten in digitaler Zusammenarbeit» / ONLINE

Tanja Erhart und Katharina Senk laden zu einem digitalen Workshop ein, bei dem sie ihren künstlerischen Umgang mit den Themen Digitale Zusammenarbeit, Access & Care sowie Vielsprachigkeit erfahrbar machen. Wie kann die Zusammenarbeit über den Screen uns unterschiedliche und neue Wege ermöglichen, einander zu sehen, einander zuzuhören, einander wahrzunehmen und miteinander zu kommunizieren? In ihrem multisensorischen Arbeiten erforschen sie Sinne und Sinnlichkeit als Werkzeuge, die ihnen Zugang zueinander schaffen und ihre Konfrontationen mit der ableistischen Welt transformieren lässt. Im Rahmen des Workshops teilen Tanja und Katharina Beispiele aus ihrer intersektionalen Zusammenarbeit und tauchen mit den Teilnehmer*innen gemeinsam in interaktive Übungen aus ihrer Praxis ein. Der Workshop findet in englischer und deutscher Sprache statt. 

Workshop 2: Dalibor Sandor / Sasa Asentic (SRB): «Willkommen in der/den Monsterwelt(en)» / ONLINE

Was macht ein Monster aus? Was oder wer ist ein Monster? Welche Arten von Monstern existieren um uns herum?
Der Workshop wird auf Gesprächen, Bewegung und Vorstellungsübungen basieren, von Dalibor Šandors Erfahrungen und seiner Motivation für seine Performances entstammen: «We are not monsters» und «Something very special».
Dalibor Šandor wird von seinem langjährigen Freund, Kollegen und Kameraden Saša Asenti? begleitet. Der Workshop findet in englischer Sprache statt.  

Workshop 3: Islam Alijaj / Lea Moro (CH): «Begegnungen initiieren» / VOR ORT

Ausgehend vom Projekt «Sketch of Togetherness», ko-leiten Islam Alijai und Lea Moro gemeinsam diesen Workshop. Dabei untersuchen sie Möglichkeiten des Sichkennenlernens und der Begegnung zwischen zwei sich unbekannten Personen, aber auch als temporär zusammenkommende Workshop-Gruppe. Über die jeweiligen Begegnungen transportieren sich Einblicke in unterschiedliche Lebens- und Alltagsrealitäten wie auch Berufswelten, in individuelle Biografien sowie in verschiedene kulturelle, politische und soziale Kontexte. Nicht zuletzt ermöglicht jede Begegnung mit einer fremden Person auch neue Perspektiven auf sich selbst, da sie immer auch Fragen an die eigene Lebensrealität aufwirft. Der Workshop möchte auf neugierige, offene und spielerisch-kreative Art und Weise Perspektiven ermöglichen, sich zu begegnen und miteinander ins Gespräch und in Bewegung zu kommen.
Workshop in deutsch mit Übersetzung in deutschschweizer Gebärdensprache.

Workshop 4: Alessandro Schiattarella / Alice Giuliani (IT): «The Army of Love» / VOR ORT

Wir wissen, dass das Thema «Strukturen neu denken» sehr umfassend ist, weswegen wir es für unseren Workshop aus einer Perspektive des «Mikro-Bewusstseins» angehen möchten: Was sind die Strukturen in unseren Gesten, unseren Bewegungen, unserer Sprache, unseren Interaktionen mit anderen, die aufgrund von täglichen Wiederholungen in eine Grauzone rutschen? Wie können wir das Netz unserer Aufmerksamkeit enger ziehen und unseren Alltag de-automatisieren, sodass wir versteckte Muster entdecken können? Das Thema, Strukturen zu überdenken, weist auch auf das Bedürfnis nach Flexibilität hin: Was brauchen wir, damit wir uns in unseren Artikulationen, Gedanken und Interaktionen mit anderen nicht verhärten? Der Workshop wird mit einer Serie von spielerischen Übungen beginnen, alleine oder in Gruppen, die wir schrittweise zu Gruppenübungen entwickeln unter Berücksichtigung der aktuellen COVID-Massnahmen. In unserem Repertoire nutzen wir häufig Sprache, Bewegung, Körperkontakt und Interaktionen mit Objekten. Die Teilnahme erfordert keine spezielle Erfahrung oder Fähigkeiten, sondern wir werden uns den Bedürfnissen der Teilnehmenden anpassen. Der Workshop wird mit einer Feedback-Runde enden, in der Teilnehmende eingeladen werden, ihre Gedanken und Vorschläge zu teilen. Jede Person, die der Army of Love beitreten möchte, ist willkommen. www.thearmyoflove.net; www.schiattarella.info. Workshop in englisch.

Pause 17.00  

Abschluss

17.15

Vier Teilnehmende aus den Bereichen Politik, Kulturförderung und Kulturinstitution haben die Tagung mitverfolgt und schildern ihre Beobachtungen und Einschätzungen.

Ende 18.00  
  19.00 Im Rahmen von m2act: In «Kit de Survie en Territoire Masculiniste» geht es auf die Suche nach Überlebensstrategien für Frauen in diesem von Männern geplanten und gebauten Raum. Der Audiowalk ist rollstuhlgängig.